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Veranstaltung mit ATIAD und HWK

Veranstaltung mit ATIAD und HWK

 

Am 25.05.2011 organisierte ATIAD mit der HWK für Mittelfranken in Kooperation mit TIAD und dem Generalkonsulat Nürnberg eine Informationsversanstaltung mit dem Titel „İşte Bilgi in Ihrer Region – Wir bringen Sie an Ihr Ziel!“. Bei dieser Veranstaltung hatten türkische Unternehmer/Innen und interessierte Arbeitnehmer/Innen Gelegenheit, sich zu den Themen Nachqualifierung und Anerkennung von türkischen Bildungsabschlüssen zu informieren. Die Organisatoren und Kooperationspartner wurden wie folgt vertreten: Für ATIAD: Prof. Recep Keskin, für die HWK Mittelfranken: Prof. Dr. Elmar Forster, für das Nürnberger Generalkonsulat der Republik Türkei: Generalkonsulin Ece Öztürk Çil, für TIAD: Vorsitzender und Rechtsanwalt Emre Hizli.

Informationen zu ATIAD und dessen Projekt „İşte Bilgi“ finden Sie unter www.atiad.org.

Im Rahmen der Veranstaltung am 25.05.2011 hielt der Vorsitzende des TIAD, Emre Hizli, folgende Rede (es wird auszugsweise zitiert):

„…Für uns ist es selbstverständlich, den heutigen Akt als Kooperationspartner zu unterstützen. Wir haben sehr gerne zugesagt. Sie können sich auch in Zukunft auf die tatkräftige Unterstützung des TIAD bei ähnlich gelagerten Veranstaltungen in unserer Region verlassen, weil Bildung und Integration Querschnittsaufgaben auch für unseren Verein sind. Gerade hier in Mittelfranken, ja weiter noch in der Metropolregion Nürnberg fühlen wir uns für diese Themen im Bereich der türkischstämmigen Bevölkerung regelrecht dazu berufen, hier maßgeblich mitzuwirken, ja mit zu gestalten. Dabei begreifen wir das Thema nicht bloß als Mittel für theoretische Auseinandersetzungen, sondern als Verpflichtung eines jeden Menschen, sich bestmöglich in diesem Feld aktiv einzubringen, um den hohen Anforderungen der demografischen Entwicklung in Deutschland unter Berücksichtigung der Integrationslage und der Wirkungen der Globalisierung gerecht zu werden.

Wir brauchen in Deutschland immer mehr und dauerhaft qualifizierte Arbeit. Es geht um die Sicherung des Platzes in der Weltwirtschaft und des Wohlstandes. Da ist es unumgänglich, die Qualifikationspotentiale der Menschen in Deutschland, hier in der Metropolregion Nürnberg viel besser zu nutzen als bisher, gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund, deren berufliche Fähigkeiten und Kenntnisse, ggf. erweitert und verfeinert durch ergänzende Bildungsmaßnahmen, eine große Chance letztlich für uns alle in Deutschland darstellen.

Dabei lege ich persönlich ganz besonderen Wert auf den gerade angedeuteten Örtlichkeitsbezug der Aktivitäten. Hier vor Ort gilt es alle nur denkbaren Kräfte dafür zu mobilisieren, in dem so wichtigen Bereich der Bildung im weitesten Sinne Tatkraft und Umsetzungswillen an den Tag zu legen. Hierfür müssen die Multiplikatoren und Berater gewonnen und an sinnvollen Orten platziert werden. Diese müssen in der Lage sein, die Betroffenen zu erreichen, anzusprechen, diese auf dem Weg der Bildung, Weiterbildung, Nachqualifizierung und der Anerkennung von Bildungsabschlüssen kompetent, individuell und Ziel führend zu beraten.

Wir müssen die Unternehmer bzw. die Betriebe für diese Themen sensibilisieren, in deren eigenem Interesse es sein muss, den eigenen Mitarbeitern den Weg zu mehr Qualifikation aufzuzeigen. Sie profitieren dabei nicht nur von der Wertschätzung des Mitarbeiters, sondern von dessen anerkannter Arbeit, die aufgrund der richtigen Bewertung der erworbenen Qualifikationen natürlich einen anderen Stellenwert sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer hat. Der Arbeitnehmer wird in die Lage versetzt, ein besonderes Selbstwertgefühl zu entwickeln, was wiederum gerade in Zeiten der heftigen, nicht immer sachlich geführten Integrationsdebatten mehr als wichtig erscheint.

Wir müssen natürlich vor allem die Ungelernten oder vermeintlich Unqualifizierten erreichen und sie in den genannten Bereichen sensibilisieren. Der Mensch soll mit den Qualifikationen anerkannt und respektiert werden, über die er tatsächlich verfügt. Er soll aber auch einsehen, dass seine im Ausland erworbenen Kenntnisse nicht immer dem deutschen bzw. europäischen Standard entsprechen müssen. Hier muss schleunigst die Bereitschaft entstehen, einen Bildungsabschluss nachzuholen bzw. sich nachzuqualifizieren, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Bei den Bildungsabschlüssen im Ausland muss im Übrigen gelten: Anerkennung nicht um jeden Preis ! Hier gilt es natürlich,  das in Deutschland vorhandene hohe Bildungsniveau in den jeweiligen Berufsfeldern beizubehalten. Bisheriges Problem bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen war und ist die mangelnde Aussagekraft der ausländischen Zeugnisse. Wenn es nun im Rahmen der Anerkennung von Bildungsabschlüssen um neue Verfahren geht, dann geht es vor allem um die Entscheidung über die Anerkennung, in der zumindest ein guter Überblick über die vorhanden Qualifikationen und Kenntnisse, aber auch über die fehlenden Bausteine im Vergleich zum entsprechenden deutschen Beruf gewährt wird. Mit der Entscheidung kann dann spätestens dem Arbeitgeber ein aussagekräftiges Dokument vorgelegt werden, der einen Nachweis für Stärken des Betroffenen liefert, auch wenn im Ergebnis eine negative Entscheidung über die Anerkennung selbst herauskommt. Letztlich stehen zusätzliche Chancen zur Debatte, die der Betreffende nutzen kann. Das muss dem Betroffenen klargemacht werden.

Wir, TIAD, haben Zugang zu zahlreichen Unternehmern in Mittelfranken, diese wiederum zu ihren Mitarbeitern. Bei den Unternehmern geht es zudem um sehr wichtige Multiplikatoren aus dem Bereich der reglementierten Berufe (etwa Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheker, bei denen die Zulassung staatlich geregelt ist), aber auch viele aus dem Bereich der nicht-reglementierten Berufe, bei denen es sich vordergründig um die anerkannten Ausbildungsberufe des dualen Systems der Berufsausbildung handelt. Die genannten Multiplikatoren haben oft tagtäglich Zugang zur türkischstämmigen Bevölkerung und können in ihren Betrieben nicht nur ihren Mitarbeitern, sondern auch den Kunden, Patienten und Klienten türkischer Herkunft ggf. berufsbegleitend wichtige Informationen im Bereich der Bildung anbieten, wenn auch passiv etwa durch Auslegen der Informationen im Wartezimmer. Unsere Aufgabe ist es, hier Akzente und Schwerpunkte zu setzen, die Unternehmer für das Thema Bildung nicht nur für ihr Eigeninteresse zu gewinnen und zu entsprechendem Einsatz zu animieren. Uns allen muss die gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Bereich der Bildung klar sein ! Es geht uns alle an !

Wir müssen in die Schulen gehen, dort die Kinder ansprechen, die Eltern erreichen und sie davon überzeugen, dass ihre Kinder etwa mit ihren zusätzlichen Sprachkenntnissen und Kenntnissen in der türkischen Kultur wichtige Potentiale für den deutschen Arbeitsmarkt bringen können. Die Menschen müssen in ihrem Selbstwertgefühl gefördert werden. Integrieren heißt vor allem das Bewusstsein stärken, dass wir alle aufeinander angewiesen sind, wollen wir alle eine friedliche, wirtschaftlich sehr gute Zukunft in Deutschland, in unserer Region.

Uns geht es bei alledem um Zusammenarbeit mit den wichtigen Stellen, vor allem mit der Handwerkskammer für Mittelfranken, der Industrie- und Handelskammer für Mittelfranken, der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den Gemeinden in Mittelfranken und nicht zuletzt mit dem Generalkonsulat Nürnberg, die unter der hervorragenden Leitung der Frau Generalkonsulin Öztürk-Çil steht. Natürlich sind uns gerade auch Vereinigungen wie ATIAD, auf örtlicher Ebene wiederum der Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer, kurz AAU, sehr wichtig. Bei beiden Vereinen werden wir hier intensivere Gespräche suchen und auf gemeinsame Projekte pochen.

Ich komme nochmals zurück auf das Generalkonsulat Nürnberg. Frau Öztürk Cil, Sie sind ein großer Gewinn für unsere Region, das habe ich bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht. Sie haben auch schon wichtige Impulse im Bereich der Bildung gesetzt. Gestatten Sie mir dennoch folgende Anregung, weil hier auch andere wichtige Vertreter sind, die diese Anregung sicher gerne mit aufgreifen:

Ich bin auf einen Aktionsplan in Nordrhein-Westfalen zwischen der Bundesagentur für Arbeit, den Türkischen Generalkonsulaten in Düsseldorf, Essen, Köln und Münster und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gestoßen. In dem Aktionsplan geht es um „Zukunft durch Ausbildung“, um die Erkenntnis, dass eine solide Berufsausbildung sowohl für junge Menschen als auch für Betriebe eine wichtige Grundlage des persönlichen wie wirtschaftlichen Erfolges sei. Und dabei hat man folgende, eben auch für mich sehr interessante Maßnahme in dem Aktionsplan vorgesehen:

Regelmäßige Sprechstunden der Berufsberatungen bei den türkischen Generalkonsulaten.

Die türkischen Generalkonsulate werden an ihren Standorten in Kooperation mit den Berufsberatungen der Agentur für Arbeit ein neues, regelmäßiges Informationsangebot zu Berufsorientierung- und Ausbildungsfragen einrichten, das den interessierten Besuchern und Besucherinnern der Konsulate, insbesondere aber den türkischen Eltern in der Berufswahlphase und bei der Ausbildungssuche, offen steht.

Aus meiner Sicht könnte eine solche Kooperation nicht nur mit den Agenturen für Arbeit, sondern auch mit weiteren Kooperationspartnern, etwa die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer sowie TIAD, ins Leben gerufen werden.  Das Generalkonsulat Nürnberg hat einen sehr wichtigen und intensiven Zugang zur türkischen bzw. türkischstämmigen Bevölkerung in Nordbayern. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, über die bisherigen Angebote des Konsulats hinaus dort entsprechende, etwa von den Agenturen und Kammern entsandte und entlohnte Berater und Informationsquellen nachhaltig einzusetzen, flankierend eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, um tatsächlich die betroffenen Menschen zu erreichen. Wenn das über Jahre in intensiver Form gemacht wird, könnte dies – nämlich die fundierte, zweisprachige und zielgruppengerechte Beratung und Information – zu einer sehr wichtigen Institution in den Generalkonsulaten in Bayern werden. Wir, TIAD, erklären uns gerne bereit, im Rahmen eines vergleichbaren Aktionsplanes der entsprechenden Akteure in Bayern diese zu unterstützen.

Im Übrigen müssen in den Themenbereichen Synergien genutzt, auf Kooperationen gesetzt, ja tatsächlich zusammengearbeitet werden, völlig unabhängig von den sonstigen Interessenlagen der Partner. Wenn es um die Bildung geht, muss am selben Strang gezogen werden. Hier müsste aus meiner Sicht verstärkt öffentlich für einen Zusammenhalt ganz im Sinne der Bildung plädiert werden, dabei rede ich mehr über die türkischen Vereinigungen. Auch da ist TIAD bereit, auf alle mitwirkenden, allerdings mehr örtlich agierenden, den Nutzen der Metropolregion Nürnberg sehenden Vereinigungen, Einrichtungen zuzugehen.

Wir jedenfalls sind im Gespräch mit den oben schon genannten Stellen, gemeinsam Beratungsangebote und Informationsquellen in den Räumlichkeiten des TIAD zur Verfügung zu stellen und nachhaltig dafür zu werben, diese Angebote auch tatsächlich anzunehmen.

An die zuständigen Stellen appellieren wir, die Voraussetzungen für berufsmäßige, in Schulen, in Vereinen und im Türkischen Generalkonsulat etwa einzusetzende Berater mit der notwendigen, angemessenen Vergütung zu schaffen. Es muss auch für die Berater selbst Ansporn sein, die Menschen zu mehr Qualifikation anzuhalten. Nur mit ehrenamtlicher Tätigkeit wird dies wohl eher schwierig werden. Im Bereich der Integration sollten die negativen Erfahrungen der Integrationskursleiter eine Lehre sein.

Heute, meine sehr geehrten Damen und Herren, geht es in der Sache um Berufsbildungsabschlüsse, nachhaltig geeignete Rahmenbedingungen für Nachqualifizierungen, um verdiente Anerkennung, ja letztlich um die Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfes. Der rasante Anstieg der Anforderungen an Bildung, an Qualifikation verlangt es aus meiner Sicht, den (vermeintlich) Unqualifizierten tatsächlich an der Hand zu nehmen und auf seinem individuellen Lernweg intensiv zu unterstützen. Wir müssen uns Zeit nehmen für den Menschen und diesen – bei aller gebotenen Eile aufgrund des Fachkräftemangels – behutsam und vernünftig zu sicheren Bildungsabschlüssen bzw. Nachqualifizierungen führen. ATIAD macht dies aus meiner Sicht in hervorragender Weise, das Projekt „İŞte Bilgi“ kann nur begrüßt werden. Wir rufen Sie alle dazu auf, das Projekt mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Kräften zu unterstützen.

Was die Bemühungen im Bereich der Bildung in unserer Region angeht, so denke ich, dass wir da auf einem guten Weg sind. Vergessen wir nicht, dass Nürnberg in Sachen Integration wirklich sehr vorbildhaft arbeitet. Ich denke, ein jeder in der Metropolregion Nürnberg hat erkannt, dass Bildung der Weg zum Erfolg ist, nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern auch gesellschafts- und integrationspolitisch. Das gibt mir persönlich große Hoffnung für unsere Region.

Bildung ist der Weg zum Erfolg, der Weg zur gelungenen Integration. …“

Ehrenmitgliedschaft Generalkonsulin Ece Öztürk Çil
Ausbildung bei der Bayerischen Polizei
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