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Vortrag bei der Wirtschaftsfördererkonferenz

Vortrag bei der Wirtschaftsfördererkonferenz der Europäischen Metropolregion Nürnberg in Hof am 28.07.2011

Vorstellung des Deutsch-Türkischen Unternehmervereins Mittelfranken e.V. (TIAD), Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg

Hintergrund

Die selbständige wirtschaftliche Tätigkeit von Personen mit Migrationshintergrund hat in den letzten beiden Jahrzehnten weit überproportional zugenommen und ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.
Migrantenunternehmen haben insbesondere einen hohen Stellenwert bei der Entwicklung der lokalen Wirtschaft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Sie bereichern das Angebot an Waren und Dienstleistungen, schaffen neue Arbeits- und Ausbildungsplätze, erleichtern die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und erhöhen die Vielfältigkeit des Wirtschaftsstandortes.

Schon seit 2005 ist deshalb die Unterstützung von Migrantenunternehmen Teil der Wirtschaftsförderung der Stadt Nürnberg. Informationsveranstaltungen und Betriebsbesuche wurden durchgeführt, ein Beratungsservice aufgebaut, Existenzgründungen gefördert.

In Nürnberg ist der größte Anteil an den Ausländern die türkische Bevölkerung mit etwa 21.000 Personen. Hinzu kommen Eingebürgerte und Bi-kulturelle mit türkischen Wurzeln (die Zahl der russischsprachigen Spätaussiedler ist mit etwa 35.000 größer, diese haben jedoch die deutsche Staatsbürgerschaft). Türken haben auch den größten Anteil bei den Betrieben und Selbständigen mit Migrationshintergrund: Etwa 700.

TIAD

Der in Nürnberg am längsten bestehende ethnische Unternehmerverband TIAD wurde bereits im Jahre 1992 gegründet und 2002 in "Deutsch-Türkischer Unternehmerverein Mittelfranken e.V. (TIAD)" umbenannt. Er hat derzeit über 60 Mitglieder, die überwiegend in qualifizierten Branchen tätig sind und meist mehrere Mitarbeiter beschäftigen. Anlass der Gründung im Jahr 1992 war, die regen Kontakte zwischen Unternehmern und Akademikern türkischer Herkunft auf eine gemeinsame Plattform zu stellen. Der Verein unterstützt und fördert jede Art von Zusammenarbeit seiner Mitglieder, insbesondere in unternehmerischer und kultureller Hinsicht.
Für diese Ziele werden den Mitgliedern mannigfaltige Aktivitäten auf geschäftlicher, kultureller und politischer Basis ohne parteipolitische Bindung angeboten.

Der Verein organisiert Vorträge und Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Studienreisen, Seminare und Begegnungen mit Politikern.

Mit sogenannten Themenabenden ("sohbet") und geselligen Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Vereins am Plärrer werden die persönlichen Kontakte, mithin Beziehungen unter den Mitgliedern gepflegt.

Zusätzlich zu dieser Zwecksetzung übernimmt der Verein die Rolle einer "IHK für türkische Unternehmen". Es geht nicht nur um die Interessenvertretung der Mitglieder, sondern auch um die Entwicklung der jeweiligen Unternehmen.

Der Einsatz für den Ausbau der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen erlangt ein immer größeres Gewicht. Die Mitglieder sehen sich als Brückenglieder, die unsere Region mit der Türkei vernetzen und umgekehrt.

TIAD hat ein beeindruckendes Netzwerk an politischen Kontakten im Städtedreieck aufgebaut zu Bundes- und Landtagsabgeordneten, Regierungsmitgliedern, Oberbürgermeistern, IHK und HWK.

Zusammenarbeit der Stadt Nürnberg - Wirtschaftsreferat mit TIAD

  • Betriebsrecherche in 2008


In Zusammenarbeit mit TIAD konnte der Bestand der Adressdatei beim Amt für Wirtschaft über die türkisch-stämmigen Betriebe von 140 Adressen auf 707 erhöht und aktualisiert werden. Die damit durchgeführte Recherche ergab eine große Branchenvielfalt dieser Ökonomie. Die Recherche wurde vom Amt für Wirtschaft mit 2.000 Euro bezuschusst.

  • Studie türkischer Unternehmer in Nürnberg 2008


In Zusammenarbeit mit TIAD wurde eine Studie durchgeführt, in der die Situation der türkischstämmigen Unternehmen und Selbständigen in Nürnberg analysiert und Handlungsempfehlungen gegeben wurden. Die Studie wurde vom Amt für Wirtschaft mit 3.500 Euro bezuschusst.

Mit Hilfe von Fragebögen wurde die Zielgruppe zu einer Reihe von Themen befragt. Hinzu kam eine Vielzahl von Einzel- und Gruppengesprächen. Einige wichtige Ergebnisse der Studie sind:

  1. Die meisten türkischen Betriebe sind Kleinbetriebe und haben sich am Plärrer und in der Südstadt angesiedelt.
  2. Die ethnische Strategie, d.h. bei türkischen Läden kaufen überwiegend Türken, bildet nach wie vor die Basis für viele Betriebe und bringt sie in eine Abhängigkeitsposition.
  3. Die Unternehmensführung ist sehr inhaberzentriert und Aufgaben werden nur bedingt delegiert.
  4. Türkische Unternehmer fühlen sich der Stadt Nürnberg verbunden.
  • Gemeinsame Veranstaltungen

Neben der regelmäßigen Einladung der türkischen Unternehmer zu allgemein zugänglichen Infoveranstaltungen des Amtes für Wirtschaft (speziell für die ethnische Ökonomie) wurden 2009 zwei Veranstaltungen speziell für türkischstämmige Betriebe gemeinsam mit TIAD durchgeführt. Themen waren „Voraussetzung für die Kreditgewährung an Unternehmen“ und „Vorsorge für Unternehmer und deren Familie“. Für beide Veranstaltungen konnten Referenten der Sparkasse gewonnen werden.

  • Dialogforum Südstadthändler

Türkische Einzelhändler in der Südstadt beklagten, dass es zwischen deutschen und türkischen Einzelhändlern zwar ein friedliches Nebeneinander gebe, aber ein kooperatives Miteinander fehle. Um mehr Kommunikation zwischen diesen beiden Gruppen anzuregen, führte das Amt für Wirtschaft 2008 gemeinsam mit dem Einzelhandelsverein Südstadt AKTIV e.V. und dem TIAD eine Südstadtbegehung durch. Dabei besuchte eine Gruppe von deutschen und türkischen Einzelhändlern verschiedene deutsche und türkische Geschäfte in der Wölckernstraße. Bei einer anschließenden Gesprächsrunde im Südstadtforum konnte das Amt für Wirtschaft sein Angebot der Wirtschaftsförderung darstellen und insbesondere auf das Informations- und Beratungsangebot für ethnische Betriebe hinweisen.


Fazit und Ausblick

TIAD ist der am längsten bestehende Unternehmerverband in Nürnberg. TIAD hat auch, verglichen mit den anderen bestehenden ethnischen Unternehmerverbänden, die größte Anzahl an Kontakten und Aktivitäten vorzuweisen. Der Kontakt mit dem Amt für Wirtschaft wurde in den letzten Jahren intensiviert und wird in Zukunft auch weiter bestehen.

TIAD verfolgt nach seinem Selbstverständnis einen Ansatz, der nicht auf das Stadtgebiet Nürnberg beschränkt ist. Die Mitglieder der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) werden deshalb dazu angeregt, im Rahmen ihrer Wirtschaftsförderung ebenfalls die Ethnische Ökonomie nach dem Vorbild der Stadt Nürnberg zu unterstützen. Es bietet sich an, den Schwerpunkt zunächst auf die Menschen mit türkischem Migrationshintergrund zu setzen, da davon ausgegangen werden kann, dass diese Gruppe in allen Städten und Landkreisen der EMN den höchsten Bevölkerungsanteil stellt,

TIAD wird in allen Städten und Landreisen mit der Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten und dabei seine Erfahrung, seine Bi-Kulturalität und seine Kontakte einbringen. Für die Region werden daraus wertvolle Impulse für die endogene Wirtschaftsentwicklung erwachsen, ebenso wie für die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen mit türkischen Partnern.

Kooperation mit BZ
Gespräche mit der TOBB
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